Die Schatten von New Orleans von Oliver Becker – Rezension

Der den du liebst, ist nicht der, den du liebst

New York um 1870. Cynthia Crane, das Hausmädchen der angesehenen Familie van Buren, und der Sohn des Hauses planen, miteinander durchzubrennen. Doch statt in den Armen des Liebhabers findet sich Cynthia plötzlich hinter den Mauern des berüchtigten New Yorker Gefängnisses „Rabennest“ wieder – als unschuldig verurteilte Schmuckdiebin …
Als Cynthia erkennt, dass viel mehr hinter ihrer fingierten Verurteilung steckt als eine verbotene Liebe, wagt sie die Flucht. Und beginnt eine gefährliche Odyssee durch Opiumhöhlen, die Salons der ehrenwerten Gesellschaft und die düsteren Sümpfe Louisianas … (Inhaltsangabe Verlagsseite)

Ohne sich mit langem Vorgeplänkel aufzuhalten, schickt mich Oliver Becker mit seiner Hauptfigur Cynthia direkt ins Gefängnis und schildert recht eindrucksvoll die dortigen Zustände. Ziemlich schnell beginnt er dann in Rückblenden aus Cynthias Leben zu erzählen. Ich finde diesen Einstieg sehr gelungen, von Anfang an wird eine düstere und geheimnisvolle Atmosphäre aufgebaut und ich kann mir von Anfang an ein gutes Bild von Cynthia machen. Mit ihr zusammen entdecke ich lange verborgene Eigenschaften: „Cynthia lernte nicht nur das Leben neu kennen, sondern auch sich selbst.“ (S. 48)

Nach ihrer spektakulären Flucht aus dem berüchtigten Gefängnis führt sie ihr Weg nach New Orleans und auch diese Atmosphäre hat Oliver Becker perfekt eingefangen … die Hitze, die Gerüche, das pulsierende Leben. Schon nach wenigen Seiten taucht mit einem eigenen Kapitel, das kursiv verfasst ist, „der blinde Mann, der alles sieht“, auf. Lange Zeit haben mich diese Zwischenkapitel, die sehr geheimnisvoll sind, etwas verwirrt. Immer wieder werden diese Kapitel eingeschoben. Während alle anderen Kapitel Überschriften haben, die mich ein bisschen auf den Inhalt vorbereiten, heißen diese Zwischenkapitel immer gleich.

Cynthia wird im Laufe der Geschichte immer stärker, immer selbstbewusster. Sie ist hartnäckig und kommt den Geheimnissen um ihre Vergangenheit immer näher. Am eindrucksvollsten fand ich ihre Veränderung, die ich sehr intensiv miterlebe. Ich mag starke Frauen und hier mag ich besonders die Entwicklung vom unerfahrenen Dienstmädchen zu einer wirklich taffen Frau, die zu ihren Schwächen steht, aber sich nicht unterkriegen lässt. Und die nach einer verlorenen Liebe nicht aufgibt. Der Satz einer weisen Frau „Der den du liebst, ist nicht der, den du liebst“, gibt ihr viele Rätsel auf. Aber sie wird sie lösen!

Genau wie Oliver Becker dann am Ende alle Geheimnisse gekonnt auflöst. Und mich mehr als einmal überrascht. Vieles war definitiv nicht vorhersehbar. Dem zu Gute kommt natürlich, dass Oliver Becker überwiegend aus der Sicht vom Cynthia berichtet.

Oliver Becker lässt sich sehr viel Zeit, erzählt sehr ausführlich und opulent und intensiv. Es passt perfekt zur Geschichte, dennoch habe ich mir manchmal etwas mehr Tempo gewünscht. Das ist aber auch mein einziger Kritikpunkt. Manchmal bin ich auch beim Lesen einfach zu ungeduldig. Gegen Ende wird es noch einmal richtig spannend und das Ende hat mir sehr gut gefallen.

Fazit: Opulenter und spannender Roman mit sehr viel Südstaatenfeeling!

 

Der Autor:
Oliver Becker stammt aus Blumberg im Schwarzwald und lebt mit seiner Familie in Frankfurt am Main. Er schreibt in den unterschiedlichsten Genres, hat sich aber vor allem im Bereich des historischen Romans einen Namen gemacht. Nach der erfolgreichen Trilogie um die „Krähentochter“ erscheint mit „Die Schatten von New Orleans“ nun ein psychologisch vielschichtiger, spannungsgeladener Roman, der in den USA des 19. Jahrhunderts spielt. (Quelle: Verlagsseite)

Die Schatten von New Orleans ist im Bookspot Verlag erschienen.

Meine Rezension bei Amazon und weitere Infos zum Buch und auch eine Leseprobe findet ihr hier.

Von | 2018-05-22T11:57:41+01:00 30/09/2015|Kategorien: Historisch, Rezension|Tags: , , , , , |0 Kommentare

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