Der Zopf meiner Grossmutter von Alina Bronsky

Der Zopf meiner Grossmutter - Alina Bronsky - Rezension

Nicht mein Humor
Scheinbar hat Alina Bronsky in Faible für etwas skurrile Großmütter und Margarita Iwanowna ist ein besonders “nettes” Exemplar. Sie hat mit ihrem Zopf nicht nur für den Titel gesorgt, nein sie hat es schon nach wenigen Seiten geschafft, nicht nur ihren Enkel zur Witzfigur zu machen, sondern auch mich vom Lesen abzuhalten. Dabei klang der Klappentext ja durchaus interessant und humorvoll:

Meine Großmutter, mein Großvater, seine Geliebte und ich.
»Ich kann mich genau an den Moment erinnern, als mein Großvater sich verliebte. Es war klar, dass die Großmutter nichts davon mitkriegen sollte. Sie hatte schon bei geringeren Anlässen gedroht, ihn umzubringen, zum Beispiel, wenn er beim Abendessen das Brot zerkrümelte.«
Kaum jemand kann so böse, so witzig und rasant von eigenwilligen und doch so liebenswerten Charakteren erzählen wie Alina Bronsky: Max’ Großmutter soll früher einmal eine gefeierte Tänzerin gewesen sein. Jahrzehnte später hat sie im Flüchtlingswohnheim ein hart-herzliches Terrorregime errichtet. Wenn sie nicht gerade gegen das deutsche Schulsystem, die deutschen Süßigkeiten oder ihre Mitmenschen und deren Religionen wettert, beschützt sie ihren einzigen Enkel vor dem schädlichen Einfluss der neuen Welt. So bekommt sie erst als Letzte mit, dass ihr Mann sich verliebt hat. Was für andere Familien das Ende wäre, ist für Max und seine Großeltern jedoch erst der Anfang. Ein Roman über eine Frau, die versucht, in einer Gesellschaft Fuß zu fassen, die ihr entgleitet. Über einen Mann, der alles kontrollieren kann außer seine Gefühle. Über einen Jungen, der durch den Wahnsinn der Erwachsenen navigiert und zwischen den Welten vermittelt. Und darüber, wie Patchwork gelingen kann, selbst wenn die Protagonisten von so einem seltsamen Wort noch nie gehört haben.
(Quelle: Amazon)

Aber was im Klappentext so witzig klingt, ist es in dem Buch gar nicht. Mir blieb beim Lesen oft selbst das Lächeln im Hals stecken. Alina Bronsky hat ihre Figuren etwas überzeichnet, Max und vor allen Dingen auch seine Großmutter. Die anderen Figuren sind eigentlich nur Statisten, die mal mehr, mal weniger wichtig sind.

Die ganze Geschichte wird aus der Sicht von Max erzählt, also folge ich seinen Gedanken und seinen Wahrnehmungen. Er navigiert virtuos durch die Gefühlsausbrüche seiner Großmutter, nimmt alles scheinbar gelassen hin, auch dass sie ihn ständig als Schwachkopf bezeichnet und versucht, ihn vor allen westlichen Widrigkeiten zu beschützen. Dabei wirkt er so viel reifer als man es in seinem Alter vermuten könnte und das ist dann auch mein erster Kritikpunkt. Anfangs ist Max gerade mal sechs Jahre alt und so viel Weisheit und Gelassenheit legt ein Sechsjähriger einfach nicht an den Tag.

Das Verhalten der Großmutter hat mich von Anfang an sehr genervt. Zum einen fand ich ihre Aktionen total übertrieben und gemein und dann wiederholten sich ihre Boshaftigkeiten auch noch ständig. Der Humor von Alina Bronsky ist sehr speziell und konnte mich nicht erreichen.

Die Handlung fand ich sehr konstruiert und unglaubwürdig. Wenn man etwas unbedingt erzählen möchte, dann biegt man sich die Geschehnisse schon mal ein wenig zurecht. Aber hier verstehe ich den Sinn und Zweck einfach nicht, was ja durchaus auch an mir liegen kann. Denn ich habe die Message zwischen den Zeilen nicht verstanden! Falls es denn eine gibt…

Anfangs wurde vieles sehr breit getreten, aber dann zieht Alina Bronsky das Tempo enorm an und ich haste eher durch die Geschichte bis zu einem Ende, das mich kopfschüttelnd zurück lässt.

Auch dieses Buch mag seine Liebhaber finden, aber für mich war es eine herbe Enttäuschung. Ich konnte weder mit den Figuren noch mit der Geschichte warm werden…

Über Alina Bronsky:
Alina Bronsky, geboren 1978 in Jekaterinburg/Russland, lebt seit Anfang der Neunzigerjahre in Deutschland. Ihr Debütroman »Scherbenpark« wurde zum Bestseller, fürs Kino verfilmt und ist inzwischen beliebte Lektüre im Deutschunterricht. Es folgten die Romane »Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche« und »Nenn mich einfach Superheld«. »Baba Dunjas letzte Liebe« wurde für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert und ein großer Publikumserfolg. Die Rechte an Alina Bronskys Romanen wurden in zwanzig Länder verkauft. Sie lebt in Berlin. (Quelle: Verlagsseite)

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Von | 2019-07-03T11:22:11+02:00 03/07/2019|Kategorien: Gegenwart, Rezension|Tags: , , , |0 Kommentare

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