Kaschmirgefühl von Bernhard Aichner – Rezension

Rezension zu Kaschmirgefühl - Bernhard Aichner

Ganz nett
Als ich die Ankündigung zu dem neuen Roman von Bernhard Aichner gesehen habe, konnte ich es kaum glauben. Ein Roman über Liebe? Da war ich natürlich sehr neugierig und mächtig gespannt:

Ein Telefonanruf – und eine Stimme, die das ganze Leben verändert
Gottliebs Tage sind nicht gerade von Leidenschaft erfüllt. Als Krankenpfleger im Hospiz ist er täglich mit dem Tod konfrontiert, Romantik im Privatleben: Fehlanzeige. Zu lange schon ist er Single, lebte bis vor Kurzem mit seiner Mutter zusammen. Von Einsamkeit getrieben ruft Gottlieb eines Nachts bei einer Sexhotline an. Zum ersten Mal hört er Maries Stimme – und mit einem Schlag verändert sich sein ganzes Leben. Gibt es Schöneres, als zwei Menschen zuzuschauen, wie sie sich ineinander verlieben? Marie und Gottlieb reden miteinander, anstatt Telefonsex zu haben. Von Anfang an ist da etwas, das die beiden verbindet. Es entwickelt sich ein intensives Gespräch, völlig anonym ist alles, mit großer Lust lügen die beiden sich an. Sie erzählen sich das Blaue vom Himmel und erfinden gemeinsam eine Liebesgeschichte. Eine, die von Minute zu Minute mehr zu ihrer eigenen wird.
(Quelle: Verlagsseite)

Aichners Vorliebe für authentische Dialoge sind mir hinreichend bekannt, haben sie doch schon in der Totenfrautrilogie und in Bösland für das gewisse Etwas gesorgt. In Kaschmirgefühl lebt er diese Vorliebe exzessiv aus. Denn das gesamte Buch ist ein einziger Dialog, der sich in einer Nacht abspielt. Ich werde Zeuge, wie Gottlieb immer weiter bei Marie anruft. Denn die Zeiten für solche Anrufe sind begrenzt, wenn ich Aichner Glauben schenken darf, um die ohnehin schon hohen Verbindungskosten nicht in schwindelnde Höhen zu treiben, was ja durchaus passieren kann, wenn man vor lauter Entspannung das Auflegen vergisst. Aber ich schweife ab.

Anfangs fand ich das Gespräch von Gottlieb und Marie sehr interessant. Ich habe die ganze Zeit auf den Megaknaller gewartet, auf die alles verändernde Wendung. So wie ich es von Bernhard Aichner aus seinen bisherigen Büchern gewohnt war. Denn hier schreibt doch ein Thriller Autor. Dachte ich!

Aber das Gespräch zwischen Marie und Gottfried plätschert weiter vor sich hin. Die beiden haben von Anfang an gelogen, dass sich die Balken biegen. Erst fand ich das witzig und dann aber immer weniger. Denn ich verabscheue Lügen und wenn ein ganzer Roman aus Lügen besteht …

Die Dialoge sind sehr authentisch, ich habe tatsächlich das Gefühl, ich belausche ein Telefongespräch, was ja schon seinen gewissen Reiz hat. Aber so wie ich das trotz meiner angeborenen Neugier keine ganze Nacht aushalten würde, wurde es mir auch hier zwischendurch ein bisschen langweilig. Obwohl das Buch nur 188 Seiten hat. Es passiert einfach nicht viel, die Lügen sind haarsträubend, aber das lutscht sich ganz schnell aus.

Mein Fazit zu “Kaschmirgefühl”: Das Ende ist dann zwar schon sehr süß, genau wie die Idee, die dahinter steckt. Und “Kaschmirgefühl” ist mit Sicherheit eine der kitschfreiesten Liebesgeschichten, die ich jemals gelesen habe. Aber dennoch stellte sich bei mir am Ende kein wohliges Gefühl ein. Ich habe vielleicht zu viel erwartet und mehr als ein „ganz nett“ kann ich dieser ungewöhnlichen Geschichte leider nicht geben.

Über Bernhard Aichner: Bernhard Aichner, geboren 1972, lebt als Schriftsteller und Fotograf in Innsbruck. Er schreibt Romane, Hörspiele und Theaterstücke. Für seine Arbeit wurde er mit mehreren Literaturpreisen und Stipendien ausgezeichnet, zuletzt mit dem Burgdorfer Krimipreis 2014 und dem Crime Cologne Award 2015. Die Thriller seiner “Totenfrau”-Trilogie standen in Österreich und Deutschland monatelang auf den Bestsellerlisten. Die Romane wurden bisher in 16 Länder verkauft, u.a. auch in die USA und England. Eine US-Verfilmung ist in Vorbereitung. Mit dem Thriller “Bösland” setzt er seine Erfolgsgeschichte fort. Bei Haymon erschienen mehrere Romane, u.a. “Schnee kommt” (2014), “Das Nötigste über das Glück” (2015) und “Nur Blau” (HAYMONtb 2015), sowie die Max-Broll-Krimis, für deren vierten Teil “Interview mit einem Mörder” er den Friedrich-Glauser-Preis erhielt. Mit seinem neuesten Liebesroman “Kaschmirgefühl” zeigt Aichner, dass er mühelos zwischen den Genres wechselt, dass Spannung und Romantik in seinem Werk untrennbar miteinander verbunden sind.

Von | 2019-04-24T13:10:54+02:00 24/04/2019|Kategorien: Gegenwart, Rezension|Tags: |0 Kommentare

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