Gesellschaft

Antonias Tochter von Nora Elias – Rezension

Bewegend, dramatisch und wunderschön Köln 1945: Kurz vor Kriegsende flieht Antonia von Brelow von ihrem Landgut in Preußen ins einstmals prachtvolle Stadthaus der Familie in Köln. Um Geld zu verdienen, sieht sie sich gezwungen, Zimmer des Hauses zu vermieten. So bildet sie schließlich eine Gemeinschaft mit der Tänzerin Elisabeth, der Krankenschwester Katharina, dem Arzt Georg und ihrem intriganten Schwager Richard. Alle Bewohner des Hauses haben eine Vergangenheit, von der sie niemandem erzählen. Doch das größte Geheimnis hütet Antonia selbst: die Identität des Vaters ihrer kleinen Tochter Marie. Gemeinsam mit Georg, zu dem sie sich immer stärker hingezogen fühlt, tritt Antonia schließlich eine Reise zum dunkelsten Punkt in ihrem Leben an... (Inhaltsangabe Amazon) Die bewegende Geschichte über die illustre Hausgemeinschaft ist im Nachkriegsköln angesiedelt und thematisiert den hungrigen Alltag und den Versuch, wieder ein bisschen Normalität in diesen zu bringen. Schon nach wenigen Zeilen habe ich mich [...]

Unterleuten von Juli Zeh – Rezension

Ein Blick hinter die Idylle Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf "Unterleuten" irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtlinge aus Berlin gerne kaufen, um sich den Traum von einem unschuldigen und unverdorbenen Leben außerhalb der Hauptstadthektik zu erfüllen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt wurden. Denn da ist nicht nur der Gegensatz zwischen den neu zugezogenen Berliner Aussteigern, die mit großstädtischer Selbstgerechtigkeit und Arroganz und wenig Sensibilität in sämtliche Fettnäpfchen der Provinz treten. Da ist auch der nach wie vor untergründig schwelende Konflikt zwischen Wendegewinnern und Wendeverlierern. Kein Wunder, dass [...]

Von | 2019-03-25T12:22:25+02:00 28/05/2017|Kategorien: Gegenwart, Rezension|Tags: , , , |0 Kommentare

Romeo & Romy von Andreas Izquierdo – Rezension

Ein perfekter Tag zu sterben? Romy könnte eine große Schauspielerin sein, aber niemand sieht sie, denn sie ist nur die Souffleuse. Aber auch das nicht lange, denn nach einem harmlosen Flirt mit Hauptdarsteller Ben, dessen einzige schauspielerische Glanzleistung sein Auftritt als »Frischedoktor« in einem Waschmittelspot ist, wird sie gefeuert. Und Ben kurz nach ihr. Romy kehrt zurück in ihr winziges Dorf, um dort ihr Erbe anzutreten. Hier leben nur noch Alte. Und die haben sich in den Kopf gesetzt, rasch das Zeitliche zu segnen, denn auf dem Friedhof sind nur noch zwei Plätze frei. Wer da zu spät kommt, muss auf den Friedhof ins Nachbardorf. Und da gibt es – wie jeder weiß – nur Idioten. Romy schmiedet einen tollkühnen Plan: Sie will mit den Alten ein elisabethanisches Theater bauen. Aus der gammeligen Scheune hinter ihrem Hof. Und mit ihnen Romeo und Julia auf die Bühne bringen. Sie haben kein [...]

Von | 2018-05-22T11:57:38+02:00 31/05/2016|Kategorien: Gegenwart, Rezension|Tags: , , , , , |2 Kommentare

Gehe hin, stelle einen Wächter von Harper Lee – Rezension

20 Jahre später … Harper Lee hat bisher nur einen Roman veröffentlicht, doch dieser hat der US-amerikanischen Schriftstellerin Weltruhm eingebracht: „Wer die Nachtigall stört“, erschienen 1960 und ein Jahr später mit dem renommierten Pulitzer-Preis ausgezeichnet, ist mit 40 Millionen verkauften Exemplaren und Übersetzungen in mehr als 40 Sprachen eines der meistgelesenen Bücher weltweit. Mit „Gehe hin, stelle einen Wächter“ – zeitlich vor „Wer die Nachtigall stört“ entstanden – erscheint nun das Erstlingswerk. Das Manuskript wurde nie veröffentlicht und galt als verschollen – bis es eine Freundin der inzwischen 89-jährigen Autorin im September 2014 fand. In „Gehe hin, stelle einen Wächter“ treffen wir die geliebten Charaktere aus „Wer die Nachtigall stört“ wieder, 20 Jahre später: Eine inzwischen erwachsene Jean Louise Finch, „Scout“, kehrt zurück nach Maycomb und sieht sich in der kleinen Stadt in Alabama, die sie so geprägt hat, mit gesellschaftspolitischen Problemen konfrontiert, die nicht zuletzt auch ihr Verhältnis zu [...]

Hotel Alpha von Mark Watson – Rezension

Willkommen im Hotel Alpha! Im Hotel Alpha erzählt Mark Watson die Geschichte dreier komplett unterschiedlicher Figuren, die doch eines gemeinsam haben: Ihr Leben spielt sich so gut wie komplett in dem Londoner Nobelhotel Alpha ab. Hotelbesitzer Howard York ist das schillernde Aushängeschild des Prachtbaus. Sein Adoptivsohn Chas ist blind und ein Computernerd wie er im Buche steht. Und der Concierge Graham ist seit der Eröffnung in den Sechzigern die gute Seele des Hotels. So ein Hotel hat viele Zimmer und birgt noch mehr Geheimnisse. (Klappentext)   Schon nach ein paar Zeilen habe ich mich verliebt … in dieses wunderbare alte Hotel, in den etwas verschrobenen Graham und natürlich in Howard und Chas! Mark Watson hat genau den richtigen Ton getroffen, damit ich mich sofort wohl fühle im Hotel Alpha. Die erste Begegnung von Howard und Graham war der Beginn einer langen und engen Freundschaft und für mich eine der vielen [...]

Von | 2018-05-22T11:57:41+02:00 16/08/2015|Kategorien: Gegenwart, Rezension|Tags: , , , , |0 Kommentare

Der Preis der Treue von Diane Brasseur – Rezension

Zwischen zwei Frauen Seit einem Jahr lebt ein vierundfünfzigjähriger verheirateter Pariser Geschäftsmann im emotionalen Ausnahmezustand: Er hat sich in die deutlich jüngere Alix verliebt. Was mit spielerischer Leichtigkeit begann – wiederentdeckte flirrende Erotik, der Reiz des Doppellebens, der Flirt mit einem Neubeginn –, wird mit der Zeit zu einer wachsenden Belastung. Sein Dilemma: Er ist nicht nur verrückt nach Alix, mit der er sich endlich wieder rundum lebendig fühlt, er liebt auch seine Frau. Eines Morgens zieht er sich in sein Arbeitszimmer zurück, in der festen Absicht, endlich eine Entscheidung zu treffen. (Klappentext)   Ich liebe es, wenn man mit wenigen Worten viel ausdrücken kann. Und deshalb war ich sehr gespannt, wie man dieses uralte Thema auf nur 175 Seiten ausreichend besprechen kann. Ist das möglich? Zunächst dachte ich: Oh ja!! Diane Brasseur lässt den Ich-Erzähler ausgiebig über die Vor- und Nachteile seiner Liebschaft fabulieren. Er stellt sich Situationen vor, [...]

Von | 2018-05-22T11:57:44+02:00 08/03/2015|Kategorien: Gegenwart, Liebe & Beziehung, Rezension|Tags: , , |0 Kommentare

Heimkehr von Toni Morrison – Hörbuchrezension

  „Sie standen da wie Männer“ In "Heimkehr" beschäftigt sich Literatur-Nobelpreisträgerin Toni Morrison mit dem Schicksal der Afroamerikaner in den USA der 50er Jahre. Frank Money ist mit massiven psychischen Schäden aus dem Koreakrieg zurückgekehrt und führt seitdem ein zielloses Vagabundenleben, unfähig, den Weg zurück in eine Gesellschaft zu finden, die ihn nicht verstehen kann und will. Als ihn die Nachricht erreicht, dass seine jüngere Schwester Cee in Gefahr ist und seine Hilfe braucht, macht er sich auf den Weg: nach Lotus, Georgia. Zu Cee, zu den Familien seiner gefallenen Kameraden. An den Ort, an dem ein düsteres Geheimnis ruht, dem Frank erst auf den Grund gehen muss, bevor er seinen Frieden finden kann ... Doris Wolters (Deutscher Hörbuchpreis) und André Benndorff lesen dieses beeindruckende Gesellschaftsporträt und geben Morrisons poetischer Sprache Wirkung. (Verlagstext)   Nach Hause kommen war für mich bisher immer ein schönes und positives Gefühl und hatte etwas [...]

Von | 2018-05-22T11:57:49+02:00 26/05/2014|Kategorien: Gegenwart, Hörbuch, Rezension|Tags: , , , , |1 Kommentar

Verachtung von Jussi Adler Olsen

  Die Frauen von Sprogø Nete Hermansen nimmt grausame Rache an den Menschen, die ihr am meisten weh getan haben. Der Rachefeldzug geschah bereits im Jahr 1987 und ist somit prädestiniert für die Abteilung Q, die ja vorzugsweise alte Fälle aufrollt.       Jussi Adler Olsen sucht sich immer hoch interessante Themen aus, die er dann zu einem Thriller verarbeitet. In diesem Fall geht es um gefallene Mädchen und Frauen, die auf der Insel Sprogø isoliert werden und in vielen Fällen auch zwangssterilisiert. Dieses heftige Thema, die Inhaltsbeschreibung und die kurze Leseprobe, die sich hauptsächlich auf den Prolog beschränkte, haben mich sehr neugierig auf dieses Buch gemacht. Ich mag es sehr, „Reihen“ zu lesen und in den Büchern „alte Bekannte“ zu treffen, so entsteht sofort eine gewisse Vertrautheit. Aber nach der kurzen Wiedersehensfreude hat sich erstmal Langeweile eingeschlichen. Der Strang um Carl Mørck, Rose und Assad plätscherte so vor [...]

Die Lagune der Flamingos von Sofia Caspari

In diesem wunderschön gestalteten Buch wird die Geschichte mehrerer Familien erzählt. Ich habe erst nach dem Lesen bemerkt, dass es ein Vorgängerbuch gibt und ich hatte nicht das Gefühl, dass ich dieses hätte kennen müssen. Die Geschichte wird sehr spannend erzählt. Sie ist in viele Stränge unterteilt, die unterschiedlich lang sind. Anfangs werden immer neue Personen vorgestellt und ein kleiner Stammbaum am Anfang des Buches leistet da hilfreiche Dienste. Aber alle Personen werden so gut dargestellt, dass ich keine Probleme hatte, alle auseinander zu halten und schon nach kurzer Zeit waren sie mir sehr vertraut. Ich war die ganze Zeit gespannt, ob sich am Ende alles zusammen fügt und da wurde ich positiv überrascht. Keiner der zahlreichen Stränge verlief ins Leere und am Ende fügt sich auch alles schön zusammen. Auch die im ausklappbaren vorderen Cover abgedruckte Karte von Argentinien und den Nachbarstaaten habe ich mir sehr oft angeschaut.   [...]

Die Wildrose von Jennifer Donnelly

Das letzte Buch der Rosentrilogie ist Seamie, dem jüngsten Spross der Finnegans und seiner großen Liebe Willa gewidmet.  Die Beiden sind seelenverwandt, lieben einander und das Bergsteigen ... bis zu dem verhängnisvollen Unfall, bei dem Willa ein Bein verliert. Danach trennen sich ihre Wege für eine lange Zeit. Das Schicksal führt sie wieder zusammen, aber Seamie ist mittlerweile verheiratet ... Ich habe mich sehr auf das Buch gefreut, denn vor einigen Jahren habe ich den ersten Teil der Trilogie – Die Teerose – gelesen. Nach den ersten Seiten kam es mir vor wie gestern, es war ein bisschen wie "heimkommen". So vieles war mir vertraut und Jennifer Donnelly hat mir in kurzen Rückblenden ein wenig auf die Sprünge geholfen. So war es auch nicht schlimm, dass ich das mittlere Buch noch gar nicht gelesen habe. Donnelly hat eine ganz besondere Art zu erzählen, Spannung zu erzeugen, mich zu fesseln und [...]